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Unser Reisetagebuch: Tag 4 in Lissabon
Es ist alles eine Frage der Perspektive

Obwohl das Lisbon Terrace Suites nur neun Zimmer hat und damit echt klein ist, hält das Frühstück problemlos mit denen in großen Hotels mit: Es gibt einheimische Spezialitäten wie die kleinen Pasteis de Nata, jede Menge frisches Obst, eine große Brot- und Wurstauswahl, Käse, Joghurt, Müsli und alles, was man sich vorstellen kann. Dass der kleine Tisch sich nicht biegt, wundert mich ehrlich gesagt schon. Heute fackelt niemand die Küche ab, außerdem sind wir alleine. Nach dem Gewaltmarsch gestern wollten wir mal ein bisschen länger schlafen, um ein Haar wären wir zu spät gekommen, aber die nette Dame von der Rezeption wartet mit dem Abräumen, bis wir fertig sind.

 

Was heute auf dem Plan steht? Definitiv zu viel für 24 Stunden. Als erstes führt uns unser Weg wieder zum Martim Moniz, denn wir wollen ja immer noch mit der Tram 28E fahren. Rein in die Schuhe, Rucksack auf den Rücken, Wasser einpacken – und das trinken nicht vergessen. Draußen erwartet uns ein strahlend blauer Himmel ohne Wolken, was will man mehr?

Sein oder nicht sein

An Martim Moniz angekommen, hat sich die Warteschlange für die 28E seit dem letzten Mal ungefähr verfünffacht. So viel Zeit können wir nicht mit Warten vertrödeln, also schauen wir, was noch auf unserer Liste steht: Tuk Tuk fahren. Wie praktisch, das Martim Moniz DER Hotspot für Tuk Tuks ist. Groß, klein, bunt, schlicht, elektrobetrieben oder mit Diesel, hier findet man für jeden Anspruch das richtige Tuk Tuk.

 

Wir schauen uns um und werden nach einiger Zeit von James angesprochen, der uns zeigt, welche Routen er normalerweise so fährt. Er ist uns auf Anhieb sympathisch und wir verstehen uns gut, James spricht außerdem ganz fantastisches Englisch. Nachdem wir ihm von unserer HIPPOtrip-Tour erzählt haben, ist er bereit, seine Tour für uns etwas anzupassen, damit wir nicht die gleichen Sehenswürdigkeiten noch mal sehen. 90 Minuten Fahrt kosten ohne Handeln 60,00 Euro, bezahlen sollen wir erst am Ende der Tour. Rein ins kleine weiße Tuk Tuk, Taschen verstauen, los geht’s.

Sind wir eigentlich lebensmüde?

Diese Frage stelle ich mir, nachdem James um die erste Kurve gefahren ist. Was mir bis dahin nicht klar war, weil ich nicht darauf geachtet habe: Lissabon hat ein Hierarchieproblem in Sachen Verkehr. Es herrscht ständig Stau, jeder fährt wann er will und Rücksicht muss man sich erkämpfen. Außerdem sind die Straßen eine reine Holperpartie, was man im Auto nur wenig spürt, im Tuk Tuk aber umso mehr. Tuk Tuks sind klein und leicht, fliegen nahezu um die Kurven und werden gerne mal von Bussen übersehen.

 

James ist jedoch ruhig und gelassen, außerdem fährt er wirklich gut, sodass wir nach wenigen Sekunden schon wieder entspannt sind. An verschiedenen Orten hält er an und lässt uns aussteigen, damit wir uns ein paar Sehenswürdigkeiten auch von innen ansehen können. Es macht großen Spaß und wir sehen tatsächlich noch so viele Orte, die uns bisher verborgen geblieben sind.

 

Eins der Highlights war definitiv, als er mitten in Alfama angehalten hat und uns zu Fuß durch die engen Gassen führte. Alles war bereits geschmückt für die Feierlichkeiten zu Ehren von Santo Antonio, alles war bunt und voller Girlanden. Alfama selbst, mit einer der ärmsten Stadtteile von Lissabon, war wirklich beeindruckend. Die Häuser sahen nicht so aus, als könnte man dort wohnen, doch wir bekamen die Gelegenheit, tatsächlich in ein, zwei Wohnungen reinzugucken. Faszinierend, wie die Portugiesen sich arrangieren.

 

Wir sind auch an einigen öffentlichen Waschplätzen vorbeigekommen, was uns am Anfang echt irritiert hat. Auf die Frage, warum man denn keine Waschmaschinen benutzt, wo es doch überall Strom gab, musste James ziemlich grinsen: Die Türen der Häuser und teilweise auch die Gassen waren um einiges schmaler als die 60 Zentimeter, die eine Waschmaschine benötigen würde. Hm. Hat er Recht, geht nicht.

Lissabon von den sieben Hügeln

Weiter ging’s mit unserer Tour. James zeigte uns zwei wunderschöne Plätze: Als erstes den Aussichtspunkt Senhora do Monte, also die „Lady of the Hills“, der zwar überfüllt, aber wunderschön war. Es gibt einen einzigartigen 180 Grad Blick über Lissabon, man sieht so ziemlich alles und hat die schönste Kulisse für Fotos an der Hand. Als zweites ließ er uns an der Aussichtsplattform Portas das Sol raus, wo Julia tatsächlich zum ersten Mal die Tränen in die Augen standen.

 

Man sieht bis zum Rand des Tejos und sogar auf das andere Ufer, die Sonne stand hoch am Himmel, das endlose Blau war wolkenlos. Es war so ein schönes Bild, das Julia aus heiterem Himmel angefangen hat zu heulen. Sie wollte nicht mehr weg, sondern für immer in dieser Stadt bleiben, die so schön und so ruhig war. Es gab kein hektisches Rumgehupe, obwohl sich hinter uns der Verkehr staute, keine schreienden Menschen, kein nerviges Gebimmel von irgendwelchen Handys.

 

Hier, in diesem Moment, wolltn wir beide, dass die Reise einfach nie mehr aufhört. Wir waren gerade mal acht Tage unterwegs und schon konnte ich mir nicht mehr vorstellen, wieder in ein normales Leben mit einem 10-Stunden-pro-Tag-Job zurückzukehren. Das Reisefieber hatte mich gepackt, ich hatte Spaß am Entdecken, konnte mich nicht sattsehen. Der Gedanke, das all das bald wieder zu Ende war, drängte sich immer mehr in den Vordergrund, wahrscheinlich konnte ich deshalb nicht mehr aufhören. Irgendwann habe ich sie dann beruhigt, sodass wir James wieder unter die Augen treten konnten. Ich machte ein Foto, bis heute noch eins meiner Lieblingsbilder, dann ging es weiter zum Aufzug am Castelo de Sao Jorge, wo James uns schließlich rausgelassen hat.

Kunst aus Müll

Es war noch früh am Tag, deshalb nutzten wir die restliche Zeit, um tatsächlich den Weg zum Castelo de Sao Jorge einzuschlagen. Wir wollten gar nicht rein, die Schlange vor der Ticketkasse hat uns in unserer Entscheidung nur bekräftigt. Stattdessen erkundeten wir jetzt noch mal so richtig die Stadt, entdeckten einige tolle Aussichtspunkte und liefen versehentlich mitten durch eine Kunstausstellung, die jemand auf einem Abrissgelände in Baixa organisiert hatte. Ein Typ sammelte den Müll in den Straßen zusammen und schuf daraus abstrakte Kunstwerke, die er öffentlich ausstellte – eine kleine selbstgebaute Spardose sorgte für Spenden. Hübsch gemacht!

 

Generell ist das Thema Kunst in Lissabon unfassbar wichtig. Die Graffitikultur ist sehr groß, mit der LX Factory gibt es sogar ein eigenes Künstler-Biotop mitten in der Stadt (das wir uns leider nicht mehr angucken konnten). Überall ziehen Straßenkünstler ihr Ding durch, viele Wände sind besprüht, trotzdem wirkt es nur in den seltensten Fällen unpassend. Es kommt einfach so oft vor, dass man es akzeptiert.

 

Wände, auf denen kunstvoll mit Azulejos gearbeitet wurde, werden nicht besprüht. Diese wichtige Tradition der bemalten Keramikfliesen ist den Portugiesen heilig, da geht keiner dran. Auf einer Tour durch Baixa oder die Alfama sieht man viele Häuser, die noch klassisch damit besetzt sind.

Nachholbedarf in Sachen Essen und Kultur

Diesen Tag haben wir wirklich genutzt. Neben dem Elevador de Santa Justa (mit dem wir nicht gefahren sind, den wir aber trotzdem von unten und oben gesehen haben), den wir bis dato immer nur aus der Ferne gesehen haben, haben wir uns auch auf ein paar einheimische Köstlichkeiten gestürzt. Zwei davon, nämlich der Bacalhau und die Pasteis de Nata, sind mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Beides haben wir uns auf dem Rückweg auf der Rua Augusta besorgt.

 

In der Casa Portuguesa do Pastel de Bacalhau an der Rua Augusta 106 kann man zusehen, wie die kleinen Kroketten hergestellt werden, ein ganz interessanter Prozess. Diese Form ist übrigens nur eine von 150 Zubereitungsarten, die die Portugiesen für Bacalhau auf Lager haben: Gemischt mit Kartoffeln und Käse wird der Bacalhau zu einer Krokette gerollt und anschließend frittiert. Schmeckt… interessant. Nicht schlecht, ganz im Gegenteil, aber ich habe nichts, womit ich es vergleichen kann.

 

Die Pasteis de Nata haben wir uns in einer kleinen Pastellaria geholt und später im Hotel auf der Terrasse gegessen. Die kleinen Puddingtörtchen aus Vanille und Sahne hauen ganz schön rein, sind aber auch unfassbar lecker. Hätte ich sie schon am ersten Tag entdeckt, hätte ich jetzt noch mal zehn Kilo mehr auf den Rippen.

 

Den Abend verbringen wir wieder am Bahnhof Rossio. Erst essen wir bei Duque (nein, nicht das gleiche wie Oficina do Duque, aber auch richtig, richtig lecker), dann setzen wir uns an der Praca Dom Pedro IV in eine Bar und Julia probiert ihren ersten Gin Tonic. Der erste Schluck reicht aus um zu wissen, dass sie davon kein Freund ist, aber ich bin ja da und trinke netterweise beide.

Und jetzt du: Welche Stadtteile in Lissabon sind dir besonders im Gedächtnis geblieben? Hast du schon mal eine Tuk Tuk Tour gemacht oder Pasteis de Nata gegessen?

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